Anlass der von Engagement Global finanzierten Delegationsreise war das gemeinsame Solarenergieprojekt mit El Maâmoura – kurz auch Maamoura genannt. Mit der tunesischen Gemeinde besteht auf Ebene der Baunach-Allianz eine Partnerschaft mit dem Ziel, die beteiligten Kommunen gemeinsam zukunftsfähig zu gestalten und nachhaltige Lösungen für kommunale Herausforderungen zu entwickeln. Im Mittelpunkt stehen dabei insbesondere der Wissensaustausch, der Ausbau von Kapazitäten und der kulturelle Austausch in den Bereichen Bildung, Sport, Vereine, Klimaschutz und Umwelt, wirtschaftliche Entwicklung und Landwirtschaft. Für das Solarenergieprojekt übernahm die Stadt Ebern stellvertretend für die Baunach-Allianz die Projektträgerschaft und leitete die Fördermittel für den Bau der Solaranlage an die Partnergemeinde weiter. Der Eigenanteil wurde von Maamoura getragen.

Die auf dem Dach des Gemeindesaals installierte Solaranlage soll jährlich rund 88.000 kWh Strom erzeugen und den Energiebedarf des Gebäudes vollständig decken. Überschüssiger Strom wird in das öffentliche Netz eingespeist. Der Gemeindesaal wird von zivilgesellschaftlichen Organisationen genutzt und steht zudem für Veranstaltungen wie Hochzeiten und Feierlichkeiten zur Verfügung. Mit dem Projekt werden gleich mehrere Ziele verfolgt. Die Senkung der Energiekosten, die Förderung des kommunalen Klimaschutzes sowie die Stärkung der Vorbildfunktion öffentlicher Einrichtungen sind dabei zentral. Die Solaranlage soll auch Bürgerinnen und Bürger vor Ort dazu motivieren, sich mit den Möglichkeiten erneuerbarer Energien auseinanderzusetzen und eigene Maßnahmen in Betracht zu ziehen.
Die vierköpfige Delegation aus der Baunach-Allianz setzte sich aus der Gemeinderätin Clara Frembs (Untermerzbach), den zivilgesellschaftlichen Unterstützenden der Partnerschaft Jehan Youssef und dem ehemaligen Bürgermeister Jürgen Hennemann (Ebern), sowie der Koordinatorin für kommunale Entwicklungspolitik der Baunach-Allianz Maren Lorenzen-Fischer (Reckendorf) zusammen. Gemeinsam machten sie sich vom 28.06. bis 01.07. vor Ort ein Bild vom erfolgreichen Projekt und besuchten darüber hinaus die Deutsche Gesellschaft für Internationale Zusammenarbeit (GIZ), die Friedrich-Ebert-Stiftung (FES), den Kinderclub von Maamoura, den Sportverein und die Grundschule. In intensiven Arbeitstreffen mit den Verwaltungsmitarbeitenden der Gemeinde Maamoura wurde der Abschluss des Solarenergieprojekts vorbereitet und weitere Themen der kommunalen Zusammenarbeit diskutiert, darunter Kreislaufwirtschaft, der Ausbau erneuerbarer Energien sowie mögliche Sport- und Jugendaustausche.
Die Partnergemeinde Maamoura organisierte zur Einweihung der Solaranlage außerdem eine feierliche Veranstaltung mit Vertreterinnen und Vertretern aus Zivilgesellschaft, Verwaltung, Energieagentur und Unternehmen. In ihrer Eröffnungsrede lobte die Generalsekretärin der Gemeinde Jamila Nsiri die schnelle Umsetzung des Projekts. Zwar mussten die Partnergemeinden aufgrund von Haushaltssperren, Personalwechseln und erforderlichen Genehmigungen auf staatlicher Ebene zunächst längere Wartezeiten in Kauf nehmen, doch nach dem Ausschreibungsstart im Januar erfolgte die Umsetzung innerhalb weniger Monate. Bereits im Juni war die Anlage weitestgehend fertig installiert. In der Ansprache der Koordinatorin für kommunale Entwicklungspolitik wurden auch die Glückwünsche der neuen Vorständin der Baunach-Allianz und Bürgermeisterin der Stadt Ebern Isabell Zimmer zum erfolgreichen Abschluss des Projekts überbracht und die Bedeutung der kommunalen Partnerschaft betont.
Bereits vor dem Aufenthalt in Tunesien waren der ehemalige Bürgermeister und die Koordinatorin für kommunale Entwicklungspolitik gemeinsam mit der Generalsekretärin der Gemeinde Maamoura in Tansania eingeladen, um von dem Solarprojekt und der Bildungsinitiative als gelungenes Beispiel internationaler kommunaler Zusammenarbeit zu berichten. Vom 22. bis 25. Juni kamen in Dar Es Salaam rund 70 kommunale Fachleute aus 13 afrikanischen Ländern und Deutschland auf der Fachkonferenz „Solar“ der Servicestelle Kommunen in der Einen Welt (SKEW) zusammen. Vertretende von 15 Partnerschaften nutzten die Veranstaltung, um Erfahrungen auszutauschen, voneinander zu lernen und konkrete Lösungen für ihre Projekte weiterzuentwickeln. Marlene Lendes, Referentin für Entwicklungszusammenarbeit bei der Deutschen Botschaft in Dar es Salam eröffnete die Konferenz. Dabei wurden auch zentrale Herausforderungen bei der Energieversorgung deutlich. Dr. Matthew Mattimbwi, Geschäftsführer des Verbandes für erneuerbare Energien in Tansania, erklärte das rund 600 Millionen Menschen in Afrika nach wie vor keinen Zugang zu Elektrizität hätten. In vielen Regionen gibt es keine nationalen Stromnetze. Es fehlt an ausgebildeten Fachkräften, die technische Anlagen warten und reparieren können. Das sind keine Herausforderungen im Projekt von Maamoura und der Baunach-Allianz. Das das Potenzial der Solarenergie vielerorts nicht ausreichend bekannt ist oder mit Misstrauen beäugt wird, ist jedoch eine Herausforderung, die auch Maamoura und die Baunach-Allianz teilen. Auch daher benötigen nachhaltige Lösungen nicht nur geeignete technische Ansätze, sondern auch Wissen und Bildung. Das gemeinsame Projekt von der Baunach-Allianz und Maamoura setzt daher auch auf eine Bildungskomponente. Der Workshop für Kinder und Jugendliche, der mit praxisorientierten Experimentierkästen Wissen über Solarenergie und die Partnerschaft vermittelt, stieß bei den Teilnehmenden auf großes Interesse und zeigt, wie Bildungsangebote dazu beitragen können, technisches Verständnis aufzubauen, das Potenzial erneuerbarer Energien vor Ort sichtbar zu machen und verschiedene Perspektiven einzunehmen.
Ein erster Testlauf dieses Workshops fand am 21. Juli an der Mittelschule in Ebern statt. Zunächst setzen sich die Kinder mit den Nachhaltigkeitszielen auseinander und lernten in der Theorie wie Stromerzeugung funktioniert. An Hand von Bildern aus dem Partnerschaftsprojekt konnten sie sich anschauen, wie die Installation der Solaranlage in Maamoura ablief. Anschließend bauten die Schülerinnen und Schüler selbst ein kleines Haus, dessen Licht, Heizung und Klimaanlage über Solarenergie betrieben wurde, so wie in Maamoura und bald auch in ihrer eigenen Schule.
Die Zusammenarbeit mit Maamoura zeigt, wie Fördermittel genutzt werden können, um nachhaltige Projekte umzusetzen, internationale Netzwerke auszubauen und globale Herausforderungen auf kommunaler Ebene gemeinsam anzugehen, vor Ort und weltweit. Durch die Delegationsreise profitiert die Baunach-Allianz von neuen Kontakten, Erfahrungen im Bereich kommunaler Klimaschutzarbeit und der Umsetzung von Förderprogrammen sowie vom Austausch zu innovativen Lösungen für nachhaltige Entwicklung. Gleichzeitig fließen die gewonnenen Erkenntnisse unmittelbar in Bildungsangebote und zukünftige Projekte vor Ort ein.






